Zuhause//Wo Das Meer Im Himmel Versinkt

„…und natürlich will ich ganz viel Reisen, von der Welt sehen.“ Bei mindestens jeder zweiten Person mit der ich mich in letzter Zeit unterhalten habe, ist dieser oder ein ähnlicher Satz gefallen, sobald es um das Thema Zukunftspläne ging. Es kommt mir so vor als wäre es eine Todsünde nicht reisen zu wollen…als ginge es nur darum, um jeden Preis in ein anderes Land zu fliegen, nur um hinterher auf einer Liste abstreichen zu können wo man mal war? Reisen aus gesellschaftlichem Drang? Aber was ist mit zuhause…ist es da nicht auch schön?!

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Strandkörbe am Strand – ein analoges Foto

So gerne ich auch in der Welt umher reise…und das tue ich wirklich unfassbar gerne, haben mir meine letzten Reisen wunderbar vor Augen geführt, wie gerne ich doch auch zuhause bin. Nicht nur zuhause im Sinne von „in meinem Haus“, sondern auch in meiner Stadt, meiner Region und  Kultur. Auf einmal weiß ich meine Heimat viel mehr zu schätzen.

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am nahe gelegenen Ostsee-Strand – ein analoges Foto

Ich hätte niemals gedacht, dass ich das mal so sehen würde, aber: Ich liebe es in einer kleinen Stadt am Meer zu leben. Früher war mir das alles zuwider. Ich wollte so schnell es ging weg, raus in die Welt, nie wieder zurückkehren und nicht wie meine Eltern, einfach hier kleben bleiben. Ich wollte reisen, niemals zu lange an einem Ort bleiben und meine Heimat vergessen.

Logischerweise hat sich meine Sicht auf diese Dinge nicht um 180° gewendet, denn ich möchte noch immer nicht mein ganzen Leben in dieser einen Stadt verbringen…dazu gibt es einfach so viele andere schöne Orte zum Leben.

Aber ich habe meine Heimat lieben gelernt. Habe nicht mehr so einen großen Hass auf alle Kleinstädte dieser Welt (ja, da spricht mein Teenager-Ich aus mir). Sehe nicht nur die negativen Seiten, sondern erfreue mich an den positiven. Fürs Erste bin ich nämlich ganz zufrieden damit, noch ein bisschen länger in meiner Heimatstadt zu leben und zu studieren. Hier ist alles ganz entspannt und dank der Studenten wird’s auch niemals langweilig. Und außerdem gibt es eindeutig schlechtere Orte zum Leben…schließlich wohne ich da, wo andere Urlaub machen. Am Meer.

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The Food In Rome & A Recipe For Chocolate Ravioli

Bei typisch italienischem Essen denke ich natürlich sofort an Pizza, Pasta und Eis. Nichts scheint mir italienischer zu sein als diese drei Berühmtheiten. Aber tatsächlich gibt es da noch so viel mehr an Köstlichkeiten…und diese müssen sich gar nicht hinter dem allgemeinen Klischee italienischer Küche verstecken. Sie sind Pizza, Pasta und Gelato nur allzu ebenbürtig, wenn nicht manchmal sogar um einiges köstlicher und daher auf erfreuliche Weise umso überraschender.

Eine grundsätzliche Sache schon einmal ganz zu Anfang: Die meisten italienischen Spezialitäten sind einfach. Es bedarf zumeist keiner ausgefallenen Produkte und ein Großteil dieser kommt aus der Region oder zumindest aus Italien.

 

Herzhaftes

Mozzarella. Eine ganz große Sache bei den Italienern. Wer denkt er kennt Mozzarella aus dem Deutschen Supermarkt, kennt ihn nicht wirklich. Guter Mozzarella hat einen viel volleren Geschmack als wir ihn kennen, ist aber trotzdem nicht zu dominant. Eine besondere Vorliebe haben die Italiener übrigens für Büffel-Mozzarella. Ich kann es nur schwer beschreiben, was den Unterschied ausmacht. Aber ich weiß, dass ich einen Unterschied schmecke. Und dieser Unterschied ist ein Gaumenschmauß^^

Außerdem isst der Italiener mehr Fisch als man vielleicht annehmen würde. Muscheln, Tintenfisch und Oktopus erfreuen sich zumindest in Rom aus meiner Sicht großer Beliebtheit und auch die Fischtheke, die es selbst in den kleinsten Supermärkten zu geben scheint, ist immer sehr reichlich befüllt. Fisch kauft man nicht aus der Tiefkühltruhe. Er wird an besagter Theke gekauft und dann zu Fischeintopf, frischen Fisch-Steaks oder anderen Leckerein verarbeitet.

 

 

Pasta gibt es en masse. Ich habe Nudelsorten im Supermarkt entdeckt, von denen ich noch nie in meinem Leben gehört habe. Frische Nudeln gibt es oft in der Kühlabteilung zu kaufen, bestenfalls macht man sie natürlich selbst.

 

 

Ich hatte das Vergnügen mit ein paar Freunden unter Anleitung einer echten Italienerin Gnocchi zu machen. Es braucht eigentlich nur Kartoffeln, Salz, ein Ei und Mehl. Wirkliche Maßangaben gab es nicht und alles wurde ein bisschen improvisiert nach Gefühl gemacht. Zu den Gnocchi dann eine einfache Tomatensoße und ein Glas Rotwein und schon war der Abend perfekt.

 

Süßes (mein liebster Teil^^)

Italien ohne viiiel Eis zu essen, geht einfach nicht. Wer es versucht, wird spätestens nach der zweiten Eisdiele kapitulieren und sich der eiskalten Verführen hingeben. Aber nur, weil es eine Eisdiele in Italien ist, heißt das noch lange nicht, dass sie gut sein muss. An vielen touristischen Anziehungspunkten sind die Eisläden recht durchschnittlich, wenn nicht sogar beinahe enttäuschend.

Eine Eisdiele in Rom, die ich aber guten Gewissens empfehlen kann, ist COME IL LATTE. Generell bestellt man übrigens entweder Picollo oder Grande. Wie viele Kugeln Grande beinhaltet, kann ich nicht sagen, aber Piccollo sind auf jeden Fall zwei großzügige Eiskugeln, meistens mit Sahne. Bei LATTE wird zudem noch flüssige Schokolade in die Waffel gemacht, es gibt die Auswahl zwischen Sahne und Vanille-Sahne und obenauf gibt es noch mal eine kleine Waffel mit flüssiger Schokolade. Trotz all dieser schönen Extras ist aber immer noch das Eis der Star. So köstliches Himbeer-Eis habe ich noch nie (ungelogen) in meinem ganzen Leben gegessen. Und auch die Creme-Eissorten sind ein wahrer Traum! Hier findet ihr mehr Informationen zu der Gelateria.

So. Und nun zu all den anderen süßen Leckereien^^. Wirklich beliebt sind solche Kuchen, gefüllt mit sehr süßer Marmelade und einem Teiggitter obenauf. Gegessen habe ich so einen leider nicht…dafür aber ganz viele andere Kuchen, Kekse und Törtchen.

Was es mir wirklich angetan hat, sind Cornettos. Ob nun mit Schokofüllung oder anderer Creme…sie sind himmlisch! Der Begriff ist zugegebenermaßen recht weit dehnbar. In manchen Bäckereien sind sie wie Hörnchen oder Croissants, andere sehen aus wie breite Röhrchen mit Füllung und noch andere sind schlichtweg wie deutsche Schillerlocken aus Blätterteig mit einer Zuckerkruste und Füllung. Trotz dieser Unterschiede sind sie aber alle unglaublich lecker!

Zudem wird viel mit Mandeln, Nougat, Schokolade, Pistazien, Mürbeteig und Marmelade gebacken. Manchmal auch Pudding, Ricotta und Mascarpone. Kekse und Süße Teile sind scheinbar ein großes Ding in Italien.

Was auch sehr zu empfehlen ist, sind Cannoli Siciliana. Aus was der Teig besteht, ist mir ehrlich gesagt absolut schleierhaft (weder Mürbe-, noch Blätterteig, aber irgendwie etwas dazwischen), die Füllung besteht allerdings zweifellos aus Ricotta. Ist die Füllung bei dieser Art von Cannoli aus irgendwas anderem, sind sie nicht authentisch. Zum Schluss werden noch diese unfassbar künstlich pinken Kirschen als Decor verwendet und schon sind es Canoli Siciliana.

Ein absolutes Phänomen ist für mich übrigens Sfogliatelle Napoletane. Meine Vermutung ist, dass es so eine Art sehr dünner Nudelteig, aber gebacken, ist. Allerdings bin ich mir da absolut nicht sicher. Es ist übrigens ziemlich schwer das Aussehen dieses Gebäcks zu beschreiben, also seht euch lieber das wundervoll verwackelte^^ Bild an, das ich gemacht habe. Im Innern befindet sich im Übrigen eine Art Pudding mit Orangenstückchen.

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Sfiogliatelle Napoletane-a slightly blurred Smartphone picture^^

Außerdem gib es viele unterschiedliche Törtchen mit Mürbeteigboden und einer Pudding-, Schoko- oder Nuss-Füllung. Auch sehr lecker und sehr empfehlenswert. In Frankreich würden man sie wahrscheinlich als Tartelette bezeichnen

 

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A Pistacchio Tarte With Apricot Jam

 

Zum Schluss aber nun ein Keks, der so wundervoll einfach, aber doch überraschend ist. Ravioli. Es gibt tatsächlich auch süße Ravioli!

 

 

Das Prinzip ist wirklich ziemlich selbsterklärend, wenn man denn Nudel-Ravioli kennt. Teig und in der Mitte eine Füllung. In diesem süßen Fall bedeutet das also Mürbeteigkeks mit Nougat- oder Marmeladen-Füllung. Die originalen Kekse sind wirklich riesig und sehr sehr mächtig gewesen. Einer davon und man ist für mehrere Stunden gut gesättigt.

 

 

Zurück in Deutschland musste ich mich sofort an ein Rezept dieser Ravioli wagen und habe mich gleich ans Experimentieren gemacht. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Zwar sind meine Ravioli di Cioccolato nicht so riesig wie die römischen, aber mindestens genauso lecker…zumindest fanden meine Freunde sie köstlich.

Hier nun also das Rezept:

  • 200g Mehl
  • 1 Prise Salz
  • 50g Puderzucker
  • 130g gekühlt Butter/Margarine
  • 1 Eigelb/Ei-Ersatz, welcher einem halben Ei entspricht
  • 75g Nougat
  1. Das Nougat schmelzen und auf eine mit Backpapier ausgelegte glatte Fläche gießen. Das Ganze auskühlen und fest werden lassen.
  2. Das Mehl mit Salz und Puderzucker vermischen und die Butter/Margarine in kleinen Stückchen hinzufügen. Das Ganze krümelig reiben und das Eigelb/den Ei-Ersatz hinzufügen. Alles zu einem Teig verkneten und für mindestens 30 Minuten kühlen.
  3. Den Backofen auf 175° (Umluft) vorheizen.
  4. Den Teig bemehlen, 4 mm dick ausrollen und runde Kekse ausstechen. Die Hälfte der Kekse auf einem mit Backpapier belegten Blech auslegen.
  5. Aus dem Nougat mit einer kleineren Form so viele runde Kreise wie Kekse auf dem Blech liegen, ausstechen und jeweils einen davon auf einem ungebackenen Keks platzieren. Wem das zu wenig Nougat ist, der kann auch zwei Kreise übereinander legen, sodass eine dicke Schicht entsteht. Alternativ zu der kleinen Ausstechform, können auch mit dem Messer kleine Quadrate ausgeschnitten werden.
  6. Nun die andere Hälfte der Kekse auf die mit Nougat belegten Kekse legen und besonders am Rand gut andrücken, sodass das Nougat nicht ausläuft.
  7. Die Kekse für mindestens 10 Minuten backen bis sie leicht golden sind.

Wenn sie ausgekühlt sind, mit Puderzucker und ein wenig Kakao bestreuen.

When In Rome…-The Eternal City

Rom ist nicht schön. Rom ist gewaltig. Die Stadt ist eine einzige Explosion von Temperament, Geschichte und Schönheit. Sie hat keinen Anfang und kein Ende. Damit könnte ich mich sicherlich auf die viel zitierte Betitelung „ewige Stadt“ beziehen…und doch meine ich damit noch so viel mehr.

Ich finde keinen würdigen Anfang, um diese Stadt zu beschreiben und, wenn ich angefangen habe, könnte es schier kein Ende nehmen. Die unendlich vielen antiken Bauwerke, die Masse an Geschichte, die überall verborgen ist, die Fülle an Museen, die unendliche Schönheit von Gärten, Häusern, ganzen Straßen. Der Klang der italienischen Sprache, so kunstvoll und doch gewaltig. Das scheinbar ewige Hupen von Autos und Motorroller. Und dieses so ganz andere Temperament.

 

 

Natürlich bin ich mir auch der weniger schönen Seiten der Stadt und des Landes an sich, bewusst. Da ist der ganze Dreck, die hohe Arbeitslosigkeit, das Rollendenken der Gesellschaft, die viele Korruption, das Aufkeimen des Populismus und die Kommerzialisierung von Kultur und Tradition, die im Falle Roms wahrscheinlich den meisten Römern das Herz bluten lässt.

 

 

Ist man also in dieser mit Worten kaum fassbaren Stadt, sollte man auf jeden Fall die ganzen bekannten Sehenswürdigkeiten anschauen. Ihr wisst schon…Kolosseum, Forum Romanum, Trevi-Brunnen, Spanische Treppe, Vatikan, Pantheon, Engelsburg und und und.

 

 

Man muss nicht in alles überall unbedingt reingehen und sich die ewig langen Warteschlangen antun. Ist man beispielsweise nicht der größte Antike-Fan, kann man sich sowohl Forum Romanum, als auch das Kolosseum sehr gut einfach nur anschauen und dort ungezwungen ein bisschen umherschlendern. Zudem gibt es viele wunderschöne frei zugängliche Kirchen und Parks, die ausgesprochen sehenswert sind.

Die meisten Museen kosten natürlich Eintritt, aber zum Beispiel in der Galleria Nationale d’Arte Moderna bekommt man noch mit 18 freien Eintritt und als Schüler/Student/Rentner eine Ermäßigung.

Ebenfalls kostenlos und außerdem wunderschön, an manchen Tagen allerdings recht überlaufen, ist der Park der Villa Borghese. Zum einen ist er unfassbar riesig, zum anderen gibt es dort wirklich idyllische Plätzchen. Man kann dort picknicken, einfach nur spazieren gehen, ein Buch lesen, die Sonne genießen oder auch auf einem kleinen See mit dem Ruderboot einige Runden drehen.

 

 

Im Übrigen kann man in Rom sehr vieles zu Fuß erreichen...vorausgesetzt man trägt feste Schuhe und nicht so wie viele Italienerinnen High Heels, die nur beim Ansehen schon Schmerzen verursachen^^ Ansonsten sind U-Bahn und Bus recht zuverlässige Transportmittel. Insgesamt gibt es meines Wissens nach nur zwei S-Bahn-Linien. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: bequem geht anders. Zwischendurch hatte ich die Assoziation mit einem Becher, gefüllt mit Würfeln, der unwillkürlich umhergeschüttelt wird und nur wer Glück hat, bleibt im Becher, sprich auf seinem Platzt sitzen.

Egal für welches Transportmittel man sich aber entscheidet, nah Trastevere raus zu fahren/ zu gehen lohnt sich auf jeden Fall. Das Viertel ist kunterbunt und hat daher unglaublich viel zu bieten. Es ist ein bisschen wie ein kleiner Mikrokosmos in diesem ganzen Gewimmel der großen Stadt.

 

 

Dort auf der Ecke befindet sich übrigens auch der Botanische Garten der Universität. Dieses ruhige Fleckchen Grün ist sehr sehr sehenswert. Leider beträgt der Eintritt acht Euro (das ist ja schon recht happig), aber dafür hat man einen wunderschönen Ausblick über die Altstadt und kann das Idyll der Natur genießen.

 

 

 

 

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an incredible view over the city

 

Die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich verständlicherweise in der Altstadt, zwischen der Villa Borghese und dem Tiber. In der dazu entgegengesetzten Richtung, also eher oberhalb der Villa Borghese, wird die Stadt immer weniger pittoresk und touristen-gefüllt. Das MAXXI (Museo nazionale delle arti del XXI secolo) liegt genau in dieser Gegend und ist daher ein toller Grund, um auch einige andere Seiten von Rom kennen zu lernen.

Das Museum an sich ist natürlich auch ausgesprochen interessant…sofern man sich für Kunst und im Speziellen für moderne Kunst des 21 Jahrhunderts interessiert. Das Gebäude wurde von Zaha Hadid, einer der bekanntesten Architektinnen, entworfen und ist schon ein Hingucker zwischen all den Gebäuden vergangener Jahrhunderte. Über diesen Stilbruch kann man sich zweifelsohne streiten…ich finde es auf jeden Fall faszinierend.

 

 

Als weitere Sehenswürdigkeit, beziehungsweise eher Schmeckenswürdigkeit^^ kann man wohl die italienische Küche bezeichnen. Was das angeht, war ich in Rom im Paradies. Alle davon gesammelten Eindrücke werde ich noch einmal in einem weitern Post zusammenfassen…dann gibt es auch einige Rezepte für euch. Bis dahin also erst einmal „Ciao! Arrividerci!“